TOR! DOCH DAS KOMMT NICHT OHNE ÜBUNG …

Der 1. FC LOKOMOTIVE LEIPZIG, Verein für Bewegungsspiele e.V. und der ERICH-ZEIGNER-HAUS E.V. engagieren sich — so unterschiedlich sie auch sein mögen — für Demokratie und Toleranz. Bereits seit vier Jahren führen beide Vereine, gefördert durch den Freistaat Sachsen (Weltoffenes Sachsen) gemeinsam Projekte durch, beschäftigen sich mit der Vereinsgeschichte des 1. FC Lok Leipzig und verlegen gemeinsam mit der U15 des 1. FC Lok Stolpersteine. Denn nur, wenn sich jeder Einzelne aktiv und mutig im öffentlichen Raum einbringt, kann unsere Demokratie lebendig bleiben und können die Menschenrechte gewahrt werden. Dafür braucht es eine klare Haltung, die durch Wissen über historische Zusammenhänge, durch Aufarbeitung aktueller Vorfälle, die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Situation sowie die stetige Weiterbildung aller Beteiligten gestärkt wird. Genau das tun beide Vereine.

Lok Leipzig — Darum stehen wir auf dem Platz

Der 1. FC LOKOMOTIVE LEIPZIG, Verein für Bewegungsspiele e.V. ist ein Traditionsverein, der in fünf Gesellschaftssystemen wie kaum ein anderer die deutsche Fußballgeschichte miterlebt und mitgeprägt hat.

Im Kaiserreich im Jahr 1893 gegründet, war der VfB Leipzig Gründungsmitglied des DFB und mit drei Meistertiteln (1903, 1906, 1913) der erste deutsche Rekordmeister. Während der Weimarer Republik baute (1922) und erweiterte (1932) der Verein ein eigenes Stadion im Leipziger Stadtteil Probstheida, welches damals zu den größten und modernsten in ganz Deutschland zählte und in dem er noch heute beheimatet ist.

Eine Zäsur war die Machtübernahme der Nationalsozialisten: Wie der gesamte Sport wurde auch der VfB Leipzig rasch „gleichgeschaltet“, wurden jüdische Mitglieder aus dem Verein entfernt und verfolgt. Wie schon im 1. Weltkrieg, verloren auch im 2. Weltkrieg Vereinsmitglieder ihr Leben. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde der Club in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR durch staatliche Direktiven mehrfach umbenannt und neu formiert. 1966 entstand schließlich der 1. FC Lokomotive Leipzig, einer der erfolgreichsten Vereine der DDR mit vier Pokalsiegen und internationalen Erfolgen – darunter das Erreichen des Finals im Europapokal der Pokalsieger 1987.

Nach der Wiedervereinigung spielte der nun in VfB Leipzig zurück benannte Verein kurzzeitig sogar in der Bundesliga, geriet jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten und war 2004 nach der zweiten Insolvenz am Ende. Fans gründeten daraufhin den 1. FC Lokomotive Leipzig neu, der sich seitdem wieder nach oben arbeitete und der 2021 nach dessen abgeschlossener Insolvenz mit dem VfB Leipzig fusionierte.

Heute zählt der 1. FC Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele e.V. über 3.000 Mitglieder, zieht im Schnitt mehr als 5.000 Zuschauer an und spielt in der Regionalliga Nordost, wo er 2024/25 Meister wurde und den Aufstieg in die 3. Liga nur knapp verpasste.

Erich Zeigner Haus — Darum stehen wir auf dem Platz

Der ERICH-ZEIGNER-HAUS E.V. Leipzig hat seinen Sitz seit seiner Gründung 1999 im ehemaligen Wohn- und Arbeitsort des gleichnamigen Sächsischen Ministerpräsidenten (1923) und Leipziger Oberbürgermeisters (1945–1949) Erich Zeigner (1886–1949) in Leipzig-Plagwitz. In Erinnerung an sein Engagement für die sächsische Demokratie und sein Wirken im Leipziger Rettungswiderstand hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Zeigners Vermächtnis zu bewahren und in seiner Tradition Projekte der politischen Bildung in die Gesellschaft zu tragen.

Wichtigster Bestandteil dieser Funktion sind Projekte der historisch-politischen Jugendarbeit mit Schulen in Leipzig und Sachsen. Insbesondere Stolpersteinprojekte und die Erinnerung an Stille Helden zeichnen die Vereinsarbeit aus. So konnte der Verein seit 2010 über 200 Stolpersteine und vier Stolperschwellen in Leipzig und den umgebenden Landkreisen verlegen. Die Projekte leben vor allem vom Engagement der Schülerinnen und Schüler, die angeleitet werden, anhand von Originaldokumenten zu recherchieren und dabei auch wichtige demokratische Werte zu verinnerlichen.

Zudem bietet der Verein bereits seit vielen Jahren ein breites Angebot an Workshops an, die Themen wie modernen Rechtsextremismus, Antisemitismusprävention und Alltagsrassismus thematisieren und den Schülerinnen und Schülern in angemessener didaktischer Art und Weise nahebringen. Auch für Lehrkräfte und Multiplikatoren und Multiplikatorinnen bietet der Verein entsprechende Weiterbildungen an. Bei regelmäßigen Veranstaltungen und Vorträgen werden Themen aus Politik und Zeitgeschichte sowie aktuelle Debatten aufgegriffen und von renommierten Referentinnen und Referenten dargestellt und diskutiert.

Mit der Gedenkaktion „Mahnwache und Stolpersteine Putzen“, die jährlich am 9. November an die Reichspogromnacht 1938 erinnert, möchte der Verein das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus in Leipzig wachhalten. Zu diesem Zweck organisiert und koordiniert der Erich-Zeigner-Haus e.V. eine stadtweite Putzaktion, bei der dezentral an allen Stolpersteinen Putzpatinnen und Putzpaten die Steine säubern und Opferbiografien in Mahnwachen verlesen.

Darüber hinaus befinden sich in (Co-)Trägerschaft des Vereins aktuell mehrere Projekte wie das „Leipziger Netzwerk für Demokratie“, „SARA – Stark in Vielfalt: Gemeinsam gegen Antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus“, „Durchblick: Gegen Unterwanderung – Schutz vor Rechtsextremismus im Umweltbereich“ und „BÄR – Bildung stärkt Demokratie“.